10 Hindernisse zur Lebensfreude

Geschrieben von Norbert, am 03.11.09

Wer kann schon behaupten, dass er ganz ohne Sorgen und Schwierigkeiten, ohne Konflikte und Probleme, ohne gelegentliche Krankheiten oder zumindest ohne Unpässlichkeiten ist? Niemand kann das! Denn kein Leben ist eitel Lust und Wonne, und gerade darum müssen wir versuchen, die Lebensfreude wie Sonne einzufangen.

1. Der Vergleich mit anderen

Wir begehen immer wieder den Fehler, Vergleiche mit anderen anzustellen. Vergleiche sind aber genau die Art, am eigenen Leben vorbei zu leben. Denn vergleichen wir, sehen wir uns doch immer im Nachteil. Eine Frau erzählte mir kürzlich, dass sie zwei Jahre lang durch Vergleiche mit der Ehe ihrer Freundin, die scheinbar mehr Glanz aufwies, an ihrer eigenen Gemeinschaft vorbei gelebt habe. Vergleiche machen unzufrieden, weil wir durch sie fast immer die Situation des anderen überschätzen. Denn jeder Vergleich hinkt! Der Vergleichende vergisst, dass auch das beneidenswerteste Leben Licht und Schatten aufweist. Unsere Lebensfreude erstickt oft an der scheinbar viel größeren Chance des Nachbarn, der Freundin oder der Bekannten und vor lauter Vergleichen leben wir an unseren eigenen, schönen Möglichkeiten vorbei.

2. Nicht JA sagen zum eigenen Leben

Nicht immer bekunden wir ein ganzes JA zu unserem Schicksal. Mein Leben ist verpfuscht, hätte ich es doch anders gemacht, meine Kindheit ist schuld an allem, meine Erzieher, mein Partner usw. So hört man überall reden und klagen. Möglich, dass unser Leben ein ganz klein wenig aus eigener oder fremder Schuld, wie man so sagt, verpfuscht ist. Was nützen uns aber diese zu Bitterkeit und Aggression führenden Feststellungen? Nichts! Wir können nämlich nichts mehr ändern, was unsere Vergangenheit betrifft, wir können nur noch gut machen in Richtung unserer Zukunft. Legen wir Selbstbedauern und Selbstmitleid ab und sagen wir JA zu dem was ist.

3. Falsche Einstellung zum Glück

Es gibt zweierlei Glück: Das Glück, das wir auch mit dem Wort „Zufall“ umschreiben können und das einfach eines Tages da ist. Und es gibt das autodidaktische Glück, das aus eigenen harten, unentwegten Bemühungen gelungene Resultat. Natürlich ist es schön, wenn uns das Glück sozusagen aus heiterem Himmel zufällt, doch wollen wir nie vergessen, dass zugefallenes Glück kein permanenter Zufall ist. Es gibt Aktionen, deren Gelingen ein Stück Glück oder Zufall erfordern. Aber die Hauptsache ist, dass wir uns aus eigener Initiative um das Lebensglück, welches aus eigenen schöpferischen Leistungen hervor geht, bemühen. Es ist also ebenso falsch, aus pessimistischer Einstellung heraus nichts zu unternehmen, weil man angeblich doch kein Glück hat. Ebenso falsch ist es, nichts zu tun aus lauter Optimismus hoffend, das Glück bringe, worauf man wartet und hofft.

4. Die Unfähigkeit, den Augenblick zu leben

Die Kunst, heute zu leben, die Kunst, den Augenblick zu genießen, ist selten einem Menschen gegeben. Wir planen, sorgen voraus mit Versicherungen, mit Sparanlagen und dergleichen. Wenn solche Vorsorge nicht übertrieben geschieht und nicht in Geiz ausartet, ist sie durchaus vernünftig. Wir sorgen aber meistens nicht nur finanziell voraus, sondern quälen uns mit einer Menge Sorgen über Dinge, die einmal geschehen könnten und vielleicht nie geschehen werden. Unser Jüngster hat jetzt ein gutes Zeugnis, aber wie wird es später sein, fragen wir uns. Mein Mann ist mir treu, aber wie wird es sein, wenn ich älter werde? Er liebt mich, aber wie lange wird seine Liebe dauern? So zerfließt vor lauter Sorge um das Morgen die Freude am Heute. Dass uns dadurch die Zeit wie Sand durch die Finger rinnt, liegt eben gerade in diesem Unvermögen, die momentanen Gegebenheiten bewusst zu erfassen. Wir hetzen und leben an unserem Leben vorbei, dass wir dabei die Freude nicht mehr einzufangen vermögen ist klar.

5. Das Alleinsein falsch beurteilen

Es ist sehr wichtig für unser inneres Gleichgewicht, wenn wir uns darüber klar werden, dass Einsamkeit und Alleinsein zwei verschiedene Dinge bzw. Gefühle sind. Während ein zeitweiliges Gefühl der Einsamkeit meistens für unseren Individualismus wichtig ist, weil wir ohne ihn nicht zur Reife gelangen, ist das Gefühl des Alleinseins durchaus nicht tragisch. Ihm können wir auf verschiedene Weise entgegen treten. Immerhin müssen wir wissen, dass gelegentliches Alleinsein ertragen werden muss, denn wer nicht allein sein kann, wer sich, wenn er einige Zeit sich selbst überlassen bleibt, gleich voller Panik in Lärm und Betriebsamkeit stürzt, ist oft auf der Flucht vor sich selbst. Man kann das Alleinsein erlernen, ohne darunter leiden zu müssen, wobei zu sagen ist, dass menschlicher Kontakt wie Stunden des Alleinseins ebenso notwendig sind. Denn beides ist heilsam. Wer das Alleinsein auszufüllen vermag mit einem Buch, mit Musikgenuss, mit einer Bastelei oder Handarbeit, mit einem Versuch, sich künstlerisch zu betätigen, der wird entdecken, dass auch solche Stunden voller Lebensfreude sein können.

6. Nicht wissen, was man will

Es gibt nichts Schwierigeres für den Menschen, als zu wissen, was er will. Wir entgehen mancher Freude, verpassen manches Ziel, scheitern an dieser und jener Aufgabe, weil wir einfach nicht wissen, was wir wollen. Wir pendeln hin und her. Eines ist ganz sicher: Wer nicht an einer Sache ganz verbleibt, kann nie etwas erreichen. Abgesehen davon ist manche nervöse Störung auf diese innere Zerrissenheit zurück zu führen. Das große innere Unbehagen und das weit verbreitete Übel der Unzufriedenheit sind nicht selten das Resultat mangelnder Konzentration. Wir müssen lernen, uns auch in kleinen, scheinbar auch belanglosen Dingen klar zu entscheiden. Das Leben wird dadurch nicht nur einfacher, sondern wir gewinnen wertvolle Zeit und Kraft, die durch unsere Zerrissenheit oft sinnlos verbraucht wird.

7. Die Angst überschätzen

Die Angst ist uns angeboren, und ganz ohne Angst kommen wir nicht durchs Leben. Aber gerade die Angst raubt uns viel Lebensfreude. Es gibt allerdings Ängste – so genannte Urängste wie zum Beispiel die Todesangst – mit welcher wir uns auseinandersetzen müssen, weil sie zum Leben gehört. Es gibt aber auch Ängste, die wir überwinden lernen können, indem wir sie logisch zergliedern. Ein großer Teil unserer Angst entsteht zum Beispiel aus einem zu großen Sicherheitsbedürfnis. Hier ist es angezeigt, dieser Angst bewusst Mut und Wagnis entgegenzusetzen. Denn das Leben ist nicht dazu da, um es abzusichern, sondern um es zu leben. Auch wollen wir nie vergessen, dass die Angst eine Gefahr immer viel größer und dramatischer erscheinen lässt, als sie in Wirklichkeit ist oder sein könnte. Es ist auch falsch, Möglichkeiten ungenutzt zu lassen, einfach aus Angst vor dem Versagen, vor der Niederlage oder vor der Kritik. Niederlagen gehören nun einmal zum Leben und sind, so bitter sie auch schmecken, entwicklungsfördernd für unsere Persönlichkeit. Auch sollten wir nie ein Unternehmen oder eine Entscheidung aus lauter Angst zurück stellen, sondern sofort zupacken. Je rascher wir handeln, desto rascher werden wir unsere Angst los.

8. Mangelnde Geduld

Wir verderben uns viel Freude des Lebens, weil wir nicht nur voreilig urteilen und einschätzen, sondern auch voreilig handeln. Wir können nicht warten, und manche gute Chance verderben wir durch Ungeduld. Durch Ungeduld entstehen Ehen, die keine Ehen sind. Durch Ungeduld gehen Ehen auseinander. Durch Ungeduld verlieren wir Freunde, brechen wir einen Versuch künstlerischer Bestätigung oder einen Kurs ab, durch Ungeduld verletzen wir unsere Mitarbeiter oder versagen wir in der Erziehung unserer Kinder. Da der Mensch grundsätzlich nicht zur Geduld neigt, müssen wir diese hohe Kunst bewusst erlernen. Wer warten kann, ist immer im Vorteil gegenüber dem, der es nicht kann, und er wird bald feststellen können, dass manches in unserm Leben, das wir früher durch Ungeduld erzwingen versuchten, von selbst heran reift.

9. Mitmenschliche Enttäuschungen nicht überwinden

Wer ist nicht schon von einem seiner Mitmenschen enttäuscht worden? Sei es der Ehepartner, sei es unser Kind oder Freund, sei es der Mitarbeiter oder Vorgesetzte. Stets erleben wir Enttäuschungen, die Bitterkeit und Ärgernis bringen und unsere Lebensfreude dämpfen. Enttäuschung ist aber sehr oft das Resultat der eigenen Täuschung. Nicht immer ist es der andere, der uns willentlich getäuscht hat, sondern sehr oft haben wir uns selber getäuscht, das heißt, wir sind in den Fehler verfallen, den Mitmenschen nicht zu sehen, wie er ist. Unsere idealisierenden Vorstellungen trennen uns oft vom wirklichen Menschen. Es ist klar, dass niemand diesen Vorstellungen, die meistens stark ich-betont gefärbt sind, auf die Dauer entsprechen kann. Wurde eine mitmenschliche Verbindung zu Anfang ihres Bestehens zu stark idealisiert, müssen wir fast immer damit rechnen, dass wir in einer gegenseitigen Täuschung leben, die früher oder später in Enttäuschung endet. Anstatt uns aber von demjenigen, der uns angeblich enttäuschte, zurückzuziehen, müssen wir versuchen, nun realistisch die anfänglich überschwängliche Beziehung fortzusetzen.

10. Den Menschen nach Maß formen

Zur Lebensfreude gehören Menschen, mit denen wir uns verstehen, auf die wir uns verlassen können, denen wir Sympathie geben und von denen wir Sympathieempfangen, Menschen, die wir lieben und von denen wir geliebt werden, Freunde, die wir schätzen und von denen wir geschätzt werden. Dass wir aber immer wieder auf Charaktereigenschaften beim anderen stoßen, die uns stören und womöglich ärgern, ist uns allen bekannt. Trotzdem ist es falsch, unser Bemühen nun daran zusetzen, den anderen nach unserem Maße ändern zu wollen, denn dadurch überfordern wir ihn. Man kann keines Menschen Wesen ändern, abgesehen von kleinen äußerlichen Unarten, ebenso können wir an Erwachsenen keine Charakter-Fehler zum Verschwinden bringen. Solche Versuche müssen im Kindesalter unternommen werden. Später kann höchstens harte Selbsterziehung noch Erfolg bringen. Deshalb ist Kritik und Herumfeilen am Wesen des anderen ein Irrtum – wir kritisieren und feilen an etwas herum, das unabänderlich ist und verlieren womöglich auch Zuneigung und das Vertrauen des Betreffenden. Wir finden keinen Menschen nach Maß und es gehört zur Komplexität des Lebens, dass wir auch den Schatten des Mitmenschen akzeptieren müssen. Die Überforderung des Nächsten ist nicht nur unfair, denn nicht nur er, auch wir besitzen Fehler. Sie ist vor allem eine der häufigsten Ursachen der Isolierung und demnach ein Hindernis zur Lebensfreude.

Viel Freude bei der Umkehrung!