Naschkatze

Zu Weihnachten gibt es in jeder Familie verschiedene Rituale, für Kinder gibt es nichts Schöneres. Vorweihnachtszeit: die Zeit, der guten Gerüche und der langen Winterabende. Die Kekse, dieses kleine Gebäck, hatten es mir angetan.

Natürlich wollte ich beim Backen helfen, aber meine Mutter war von meiner Hilfe nicht sehr überzeugt. In meinem Kopf waren neben dem helfen wollen die Gedanken: Teig kosten, frische Kekse essen.

Ich glaube, sie hatte mich rasch durchschaut. Kekse backen bedeutete viel Arbeit, denn alles musste händisch erledigt werden. Nüsse reiben, Staubzucker mahlen, die Butter und Eier schaumig rühren. Nachdem die Teige geknetet und gerastet hatten, wurden die Kekse ausgestochen und auf das Backblech gelegt. Es war eine Kunst, den Ofen so zu heizen, dass die wertvollen Backwerke nicht verbrannten. Ein Scheit zu viel, das Rohr zu heiß und die Kekse verbrannten. Auch meine Geschwister hatten Scheingründe und machten sich in der Küche zu schaffen, mit der Idee, vielleicht eines der Kekse stibitzen zu können.

Nach dem Backen wurden sie an einen sicheren Ort gebracht, in die hohe Stube. Ein Raum mit zwei Betten, einer Kommode, zwei Kästen und zwei Nachtkästchen, gefertigt aus Vollholz, lackiert und poliert. Dieses Zimmer meistens abgesperrt wurde nur selten für Gäste genutzt. In den Kästen befanden sich schöne Kleider von früher, Hüte und eine Perlmutterhaube. In der Kommode lagen Leinen, Stoffe, Babykleidung, Taufkerzen, ein kleines Fotoalbum mit rotem Samt und vieles mehr. Auf dem Aufsatz oben standen schöne Teegläser, die manchmal Verwendung fanden, wenn meine Mutter von ihren Verwandten Besuch bekam. Die Kekse kamen in Schachteln in einen Kasten, der natürlich versperrt wurde.

Dessen ungeachtet versuchte ich den Schlüssel zu finden, um ein paar Kekse zu stibitzen, was auch manchmal gelang.

Der Vorteil der damaligen Zeit: wir hatten keine Ablenkungen wie Handy, Fernsehen und Spielzeug. Als unsere Spielwiese diente die Natur, der Stall, der Sandhaufen und Heuboden. Man benötigte nur genügend Zeit. Diese Zeit hatte ich, um meine Mutter zu beobachten, ihre Gewohnheiten. Und schon bald wusste ich, wo die Schlüssel lagen. Ich hatte gedacht, es fiel nicht auf, wenn man sich ein paar Kekse nahm.

Sie schaute verwundert und fragte, hatte ich nicht mehr Kekse gebacken? Weihnachten kam näher, ich konnte es als kleines Kind gar nicht erwarten. Endlich Heiligabend! Für die Erwachsenen bedeutete es sehr viel Arbeit, eine sehr arbeitsintensive Zeit, denn es gab so viel zu tun, dazu die vielen Fragen der Kinder.

Wir Kinder wussten sehr schnell, hier stimmte etwas nicht. Wie ist das möglich, zur gleichen Zeit kamen bei jeder Familie das Christkind, der Christbaum und die Geschenke? Rein zufällig entstand somit für uns eine Ungereimtheit, und wir begriffen: Der Christbaum wurde nicht vom Christkind gebracht, der Baum stand da, die Geschenke lagen bereits unter dem Baum.

Das Mysterium, ist es wahr, oder wollte ich es nur glauben, wegen der Geschenke? Diese Gedanken kamen mir oft zu Weihnachten, doch trotzdem immer wieder eine schöne Zeit, bis irgendwann Weihnachten eine andere Bedeutung bekam.