Taschengeld

Beim Krämer gab es viele gute Dinge zu kaufen wie natürlich Zuckerl, Schokolade, Kaugummi und vieles mehr. So hieß es für mich Kreativität entwickeln, da ich mir das alles nicht leisten konnte.

Eine Möglichkeit, um an ein wenig Geld zu kommen, war, für andere etwas zu erledigen: für den Vater die Schuhe zu putzen, anfangs für 50 Groschen, später für einen Schilling, sofern sie sehr schmutzig waren. Ich bot an, Vaters Fahrrad zu putzen, das brachte vielleicht zwei oder drei Schilling. Fünf Schilling war das Höchste, was es gab, und Vater war manchmal großzügig. Die einzelnen Speichen zu reinigen war eine sehr aufwendige Arbeit, denn es sollte alles glänzen.

Das Beste war, wenn ich etwas besorgen musste, hier waren stets ein paar Stollwerk drinnen. Später war es leichter für mich Geld zu verdienen, als meine älteren Brüder Samstagabend fortgingen, denn ihre Schuhe sollten glänzen.

Irgendwann hatte die Saure Suppe als Frühstück ausgedient, und fortan gab es warme Milch oder Milchkaffee, das heißt Titze Mischung mit ein bisschen Feigenkaffee zur Färbung.

Der Vorteil des Mithelfens beim Frühstückmachen bestand für mich darin, dass ich die Möglichkeit bekam, die Kaffeepackung zu öffnen, denn darin befanden sich früher begehrenswerte Figuren. Diese Figuren verkaufte ich kurzerhand an meinen jüngeren Bruder. Er musste dann für mich das Holz hereintragen. sagte er. An das kann ich mich nicht mehr erinnern???

Ich glaube fest, ich war in meinem vorigen Leben in einem Basar beschäftigt, denn ich mag es zu feilschen und zu handeln.

 Jedes Ding hat zwei Seiten

„Jedes Ding hat zwei Seiten“, heißt es allgemein, oder auch die Kehrseite einer Medaille oder Kopf oder Adler.

Wenn ich weiter nachdenke, besteht doch auch die Natur aus zwei Teilen, Tag und Nacht, Sonne und Mond, Ebbe und Flut. Alle Tiere atmen, ebenso die Pflanzen, Bäume. Alle sind dem ewigen Gesetz unterworfen: einatmen, ausatmen, Ausdehnung und Zusammenziehung.

 Doch es gibt eine dritte Seite

In unserem Leben ist es genauso: einatmen, ausatmen, Essen aufnehmen, ausscheiden, Gut und Böse usw.

Die dritte Seite der Medaille

Es ist der Raum dazwischen: der Raum zwischen einatmen und ausatmen. Hier ist eine kurze Zeitspanne, in der der Atem stillsteht. Der Augenblick zwischen Ebbe und Flut. Das Sein! Hier ist alles möglich.

Auf das Zusammenleben bezogen, ist es die dritte Seite der Medaille, die hilft, den Ausweg zu finden. Wir vergessen dabei fast die ganz schmale Seite einer Münze:

Das ist der Weg zu Verständigung und Versöhnung.

 

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